Lasst Eure Kinder endlich in Ruhe.

Meine Geschichte erzählt was in unserer Gesellschaft schief läuft und wie die Angst vieler Eltern den Kindern kaum noch Luft zum Atmen lässt. #Kinderdepression

Malte* ist 11 Jahre alt und besucht die 5. Klasse Gymnasium mit Ganztagsangebot in Frankfurt. Er wohnt mit seinen Eltern in einer Doppelhaushälfte mit Garten in einem mittelständischen Stadtteil. Der Familie geht es gut. Vater Leander* ist Anwalt in einer mittelgroßen Anwaltskanzlei, Mutter Merle* arbeitet Teilzeit in der Marketingabteilung eines großen internationalen Markenartikelunternehmens. Malte ist in den Augen seiner Eltern hochbegabt und konnte schon im Kindergartenalter von diversen Frühförderungsprogrammen profitieren.

Kinderdepression

In der Schule schreibt Malte meist gute Noten. Dank der Unterstützung des Nachhilfelehrers Herr Schuster*, ein pensionierter Oberstudienrat und absoluter Geheimtipp von Merles Freundin Janette*, der immer dienstags und donnerstags von 18:00 – 20:00 Uhr bei Familie Burgfels* dem Malte Unterstützungsunterricht in Mathematik und Deutsch erteilt steht er in beiden Fächern auf Note 1.

Mutter Merle freut sich sehr darüber, denn die 2,5 in der ersten Mathematikarbeit hat ihr so einige schlaflose Nächte bereitet.

Malte ist auch sehr sportlich. Ganz der Papa, spielt er Tennis im Verein, Training ist immer Dienstags und Donnerstags von 16:00 – 17:30 Uhr. Glücklicherweise ist der Club unweit des Elternhauses, so dass Merle ihn in 5 Minuten vom Tennisplatz nach Hause chauffiert hat und er rechtzeitig für Herrn Schuster geduscht und umgezogen ist.

Auch das sprachliche Talent von Malte soll natürlich nicht wegen des Unterangebots der Schule unterfordert bleiben und so haben sich Maltes Eltern entschieden, dass er bereits ab der dritten Klasse Chinesisch lernt. Der Unterricht mit Herrn Min* in der privaten Sprachschule ist immer mittwochs von 15:00 – 16:00 und Samstagvormittag für native Speaker. Das trifft zwar auf Malte nicht zu, aber mit einer kleinen finanziellen Unterstützung konnte Malte in die Klasse aufgenommen werden. Leanders Angst Malte könnte nicht genug in der Sprache der Zukunft gefördert werden wurde dadurch etwas geschmälert.

Montags zwischen 14:30 und 15:00 Uhr kommt Frau Schmidt*, die Klavierlehrerin von Malte und erteilt ihm privaten Unterricht, Malte will zwar lieber Schlagzeug spielen, aber die Eltern sehen es als ihre Pflicht ihn erst einmal klassischen Klavierunterricht erleben zu lassen. Frau Schmidt ist ehemalige Konzertpianistin und bemüht sich seit vier Jahren mit viel Hingabe und Strenge Malte die großen klassischen Werke beizubringen. Die Klavierübungszeiten hat Merle auf 15 Minuten pro Tag festgelegt.

Freitags besucht Malte nach dem Unterricht die Schach AG und wird dann von Merle direkt zum Privatlehrer für Businessenglisch gefahren. Leider unterrichtet dieser ausschließlich in seinem Haus in Bad Homburg und so steht Merle in Anbetracht der Rush Hour in Richtung Taunus jede Woche unter Zeitdruck Malte pünktlich abgeliefert zu haben. Nur gut, dass Maltes Schwimmtraining im Anschluss gleich im Bad gegenüber stattfindet. Zwischen 16:00 und 19:00 Uhr hat Merle Zeit und besucht ihre Freundin Janette, die in der gleichen Strasse wohnt. Dank Janettes hervorragender Vernetzung sieht es wohl auch so aus, dass Malte in den Sommerferien das von Mr Harrison*, dem Englisch Professor gegründete Englisch Business Bootcamp in England besuchen kann. Welch ein Geschenk für den Jungen.

Malte wird jeden Morgen von Merle zur Schule gefahren , oder besser in die Schule gefahren. Geschickt lenkt sie den großen SUV zwischen all den anderen Limousinen und Geländewagen hindurch und sichert sich den Platz direkt vor der Eingangstüre. Noch schnell am Kragen gezupft entlässt sie den ihren Prinzen aus dem Auto. Besser gesagt sie springt vom Fahrersitz, öffnet ihm die Beifahrertüre und trägt ihm schnell unter lautem Hupen der wartenden Autos den Schulranzen ans Schultor. Malte trottet Richtung Eingang, sein blasses Gesicht erleuchtet den grauen Schulhof.
Dank Merles großartigen Organisationstalents ist Maltes Terminplan perfekt durchorganisiert.

Heute ist Malte 14 Jahre und Teil eines einjährigen Therapieprogramms für Kinder, die aus Angst zu versagen einen Zusammenbruch erlitten haben oder sogar Selbstmord begehen wollten. Sie sind nicht mehr in der Lage am normalen Schulalltag teilzunehmen. Die geschlossene Therapiestätte befindet sich fern ab vom Alltag auf dem Land in einem alten Bauernhof. Unten am See treffe ich den Jungen, wir lassen die Füße von der Brücke in den Bach baumeln und er erzählt mir, dass er langsam wieder Luft bekommt, das erste mal erlebt was wahre Freundschaft bedeutet und wie es sich anfühlt einfach eine Kuh mit der Hand zu melken. Er erzählt von zu Hause, die Eltern haben sich vor Kurzem getrennt, die schwere Belastung in der Erziehung versagt zu haben hat Ihnen nichts als Schuldzuweisungen übrig gelassen. Wenn er in vier Monaten zurückkehrt weiß er noch nicht wie es werden wird und wo er wohnen will. Besuche sind nicht erlaubt, aber er weiß, dass er nach seiner Rückkehr seinen Eltern unbedingt sagen muss, dass sie nichts falsch gemacht haben.

Meine Geschichte ist zum Teil frei erfunden und basiert auf meiner Arbeit mit Eltern, Kindern und Psychologen.

Sie beruht auf der Tatsache, dass Burnout und Depression bei Kindern und Jugendlichen rasend schnell zunehmen. 18 % aller Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren durchleben mindestens einmal in dieser Zeitspanne eine Kinderdepression, wie eine Jugendstudie der Universität Bremen in Kooperation mit dem Psychologischen Institut der Universität Münster ermittelte. Neben den Ursachen wie Trennung der Eltern, Verlust, traumatische Erlebnisse, etc. ist die Angst vor Versagen und erhöhter Leistungsdruck als Auslöser von Kinderdepression rasant gewachsen.

Die vielen Artikel, Studien, Beiträge und Besuche von Therapiestätten, die ich in den letzten Monaten zum Thema Burnout bei Kindern, Leistungsdruck und Angst vor dem Versagen erlebt, gelesen und selbst geschrieben habe, gaben mir Anlass diese Geschichte zu schreiben. Ich bin selbst mehrfache Mutter und es berührt mich zutiefst was ich täglich lese und in meiner Arbeit erlebe.

Ich biete Eltern und Kindern die Möglichkeit ein glückliches und selbstbestimmtes Leben zu führen, in dem die Angst vor dem Scheitern nicht die Kontrolle übernimmt.

Gesprächstermine unter katrin@gluecksmensch.com oder 01 51 / 61 31 85 39

 

*alle Namen wurden geändert, die Geschichte ist angelehnt an wahre Begebenheiten.
#Kinderdepression

 

 

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